Wie haben diesen schönen Text gehört. Ich lade Sie ein, ein paar Minuten zu schweigen und dabei versuchen wir, ihn in unserem Herzen klingen zu lassen. Eine Frau war am Brunnen: Wasser, Durst, Leben, Reinigen, Heilen, Freude.
Diese Samariterin habe ich kennengelernt. Sie war eine Frau, genau wie ich. Die Frauen zählten nicht in jener Gesellschaft, genau wie in vielen von unseren Gesellschaften. Die Juden sprachen morgens dieses Gebet: Herr, ich danke dir, dass du mich nicht als Frau erschaffen hast.
Es war die sechste Stunde, 12 Uhr. Es ist sehr heiß. Niemand geht um diese Zeit Wasser schöpfen, weil Wasser sehr schwer zu tragen ist. Ich war vier Jahre in Afrika, ich habe das erlebt. Aber diese Frau will eben alleine sein. Sie hat etwas, was sie verstecken will. Sie ist eine Sünderin und sie ist sich sicher, dass sie am Mittag niemand trifft. Aber dort gibt es doch jemand: einen Mann, einen Juden. Die Juden hielten die Samariter für Heiden. Die Samariter waren also mehr als Fremde, sie waren Feinde. Sie weiß, dass der Jude sie als noch schlechter ansieht. Sie ist Frau, Sünderin und Samariterin. Aber interessanterweise fängt er an, zu sprechen. Er bittet sie um Wasser.
Aber das Gespräch ist komisch. Er will Wasser, aber bietet Wasser an. Sie versteht ihn nicht oder sie will ihn auch nicht verstehen. Genau wie ich. Die Frau ist eine starke Persönlichkeit. Sie veralbert ihn auch ein bisschen.
Jesus spricht von einer anderen Welt, von oben. Der Himmel ist aber so weit weg von uns! Das denken wir auch. Zu viel Theologie, viel zu abstrakt. Wir wollen lieber etwas konkretes, mit unserem Leben verbinden.
Jesus spricht also dann - endlich - über ihr Leben: „Ruf deinen Mann“. Sie ist aber nicht begeistert. Genau wie ich, wie wir alle. Uns stört es auch, wenn Jesus unserem Leben zu nah ist. „Privat“ sagen wir! Sie wollte auch nicht ihr Leben anschauen. Aber Jesus befreit sie. Er beurteilt und verurteilt sie nicht. Er sagt nicht: du hast ein furchtbares Leben geführt, ich weiß, warum du mittags zum Brunnen kommst. Jesus sieht ihre gute Seite und freut sich darüber und lobt sie: Du hast die Wahrheit gesagt. Und in Wahrheit will Gott angebetet werden. Diese Frau erlebt etwas Wunderschönes: ein Mann hat sie nicht verurteilt, sondern er hat sie voll Vertrauen angesehen.
Sie ist fast verrückt geworden. Sie rennt weg. Sie ist in Eile.
Sie schämt sich nicht mehr und rennt zu den Leuten, deren Blicke sie vorher meiden wollte. Sie vergisst alles: Wasser, Krug, Durst. Sie befürchtet nicht, dass die Leute sagen können: „Die Sonne und die Hitze von Mittag haben deinen Kopf gestört“ Sie ist eigentlich frei. Und hat in ihr eine sprudelnde Quelle. Sie erzählt alles, was sie erlebt hat. Sie wird Missionarin. Sie denkt nicht an sich, sondern an die anderen. Und die Samariter, die Feinde, glauben an Jesus!
Ihr Leben ist anders geworden. Sie hat nie diesen Ort und diese Uhrzeit vergessen. Dort hat sich ihr Leben verändert. Jesus kommt zu uns, dorthin wo wir sind. Auch wenn wir uns verstecken, auch wenn wir fliehen, er kommt zu uns. Er setzt sich und wartet. Auf mich. Er mach mir keine Vorwurfe, er liebt mich. Jesus kommt zu uns, wo wir sind, wo wir uns verstecken, wenn wir uns schämen. Er ist schon da, zu Hause, zwischen meinem Schreibtisch und der Spülmaschine. In meinem Alltag besucht mich Jesus. Es geht nicht um Tabor oder Garizim, wo Gott angebetet werden soll. Es geht nicht um die Kirche oder den Sonntag, wo und wann zu Gott gebetet werden soll. Es geht um mich. Diese Frau ist weggerannt. Sie ist nicht dort geblieben, sie hat kein Nest dort gebaut. Sie ist zu den anderen gegangen. Sie schämt sich nicht mehr.
Diese Scham war noch schwerer als das Wasser. Sie ist frei, sie hat die Vergebung erlebt. Sie ist nicht die gleiche Frau. Sie hat sich geöffnet und hat die Liebe angenommen. Sie war tief verletzt, sie hat wahrscheinlich die Liebe gesucht. Jetzt kann sie die Liebe erfahren. Liebe erfahren wir durch die Vergebung. Und die Begegnung mit Ihm verändert auch mein Leben. Ich bin heute da, um das zu bezeugen. Jesus hat mein Leben verändert.
Es gab keine Erscheinung, aber viele kleine Begegnungen im Alltag, mit einfachen Leuten.
Es war nicht einfach Gott zu entdecken und ich habe auch kein Paradies gefunden. Ich sollte noch viel leiden. Und ich weiß, dass ich noch leiden muss. Aber den Himmel habe ich im Herzen.
Ich konnte meine Familie verlassen, nach Afrika gehen, nach Deutschland kommen, und die Leute lieben. Ich bin nicht besser oder schlechter als Andere. Ich weiß nur, dass ich geliebt bin und das genügt, um in mir eine Quelle zu spüren; die Lust zu haben, anderen zu sagen: Gott ist da und ich habe ihn getroffen!
Wir sind in der Fastenzeit. Ich habe Durst. Durst auf Jesus, auf das Kreuz.
Vergebung. Er hat mir schon vergeben. Aber ich werde es nicht wissen und erfahren.... Beichte...
Ich lade euch jetzt ein, an die Begegnungen mit Gott in eurem Leben zu denken. Vielleicht waren da Begegnungen durch Leiden, oder durch eine Person, eine Lesung, eine besondere Erfahrung.
Dort ist Jesus mir begegnet. Wir schreiben dann unseren Dank auf diesen Zettel und bei der Gabenprozession bringen wir die Zettel nach vorne, hier an den Altar.
Sich erinnern und Dank sagen erneuert unsere innere Quelle und macht sie noch lebendiger.
Eucharistie heißt Dank sagen.