Predigt zum 7. Sonntag der Osterzeit B

Abschiedszeiten sind schwere Zeiten. Und solche Zeiten kann es immer wieder geben. Da verliert einer plötzlich die Arbeitsstelle und soll sich auf einmal nach etwas ganz Neuem umsehen. Aber nach was?

Da werden die Kinder langsam groß und gehen ihre eigenen Wege, zu Hause in der Familie wird es auf einmal leerer. Da verliert jemand plötzlich einen lieben Menschen, vielleicht sogar den Ehepartner und im schlimmsten Fall sogar durch den Tod.

Das ist hart, vor allem wenn solche Trennungen unerwartet schnell kommen. Das kann Menschen sehr hart treffen, bis an die Grenze des Erträglichen bringen. Jedesmal entsteht da eine große Lücke, eine Leere, die weh tut und traurig macht. Es ist, wie wenn wir selbst in ein großes Loch fallen würden, und es ist sehr schwer, nach so einem Schicksalsschlag da mal wieder herauszukommen. Wie gehts weiter? Was macht jetzt überhaupt noch einen Sinn? Wie soll diese Leere jemals überbrückt werden können, damit wir weitergehen können ins Leben?

Eine solche Abschiedszeit bedeuten auch diese neun Tage zwischen Himmelfahrt und Pfingsten: Jesus ist endgültig weggegangen, sie werden dem geliebten Herrn, der sie gerufen hatte, ihm zu folgen, der ihnen eine neue Welt versprochen und gezeigt hatte, alle wie Freunde zueinander, keiner allein, alles geteilt, eine unheimlich frohe Botschaft in die Welt zu tragen. Meine Güte, was war von all diesen tollen Versprechungen und Erwartungen noch geblieben. ER ist fort, der ihre ganze Mitte, ihr Geist, ihr Zusammenhalt, ihr Motor war, auf einmal fort. Die Apostelgeschichte erzählt, dass der ganze Kreis der Jünger mit Maria sich eingeschlossen hatte dort, wo sie mit Jesus den letzten schönsten Abend erlebten, im Abendmahlssaal. Sie konnten sich nur noch einschließen.

Wir verstehen das: Wenn wir Abschied erleben, Veränderungen, dann brauchen wir einen Rückzugsort, dann brauchen wir erst mal Ruhe, um nachzudenken, nachzuspüren, was passiert ist. Die Psychologen sagen: Wer nicht trauern kann, wird niemals richtig Abschied nehmen. Die Tränen kullern lassen. Auch mal zornig werden: Ist das nicht gemein? Warum lässt Gott das zu? Abschied ist voller Gefühle, die helfen, ihn zu verkraften.

Die Jünger haben Glück: Sie sind nicht allein. Sie haben so was wie eine richtige Familie. Sie halten zusammen und passen aufeinander auf. Nichts Schlimmeres als wenn man seinen Abschied allein bewältigen muss. Familie dagegen ist gut. Freunde zu haben in schweren Zeiten ist sehr gut. Wo man sich erzählen kann. Sie ausheulen kann. Einander halten und sich Ratschläge geben kann.

Ich glaube, die Jünger wussten jetzt auch gar nicht, was auf sie zukommen würde. Jesus weg. Wie gehts weiter. Es heißt: Sie haben zusammen gebetet, ziemlich viel sogar in dieser Zeit. Beten ist ein Schritt nach vorne, ein Stück Mut, auch wenn vor uns Nacht und Nebel ist.

Das Neue kommt nicht gleich: Logisch, je größer die alte Lücke, desto länger brauchts, bis doch wieder etwas hineinwachsen kann.

Neun Tage hats gedauert. Das ist sogar noch relativ schnell. Eine richtige Trauer geht mindestens ein Jahr, sagt man. Man muss sie leben und gestalten mit besonderen Zeichen: Was ist mir wichtig.

Dann geschahs: Davon hören wir an Pfingsten: Es kommt tatsächlich was ganz Neues. Nicht mehr Jesus ist da, aber sie werden ganz von seinem Geist und seinen Gaben erfüllt. Sie leben selbst, was Jesus ihnen zeigte. Sie müssen raus, unter die Leute. Irgendwann ist die Trauer vorbei und man muss auch wieder unter die Leute gehen.

Das Entscheidende ist: In unserem Leben gibt es nach jedem Abschied wieder Neues, Schönes, Lebenswertes. Aber es braucht Geduld, Mut, viel Reden, Suchen und Hinausgehen. Solche Erfahrungen wünsche ich uns allen. AMEN.


Pfarrer Robert Ballweg, 23./24.05.2009