Stellen wir uns einmal vor, auf der Straße würde uns ein Reporterteam die Frage stellen: Wer ist für Sie, wer ist für dich Jesus Christus? Welche Antwort würde uns spontan einfallen?
Vielleicht würden wir sagen: Jesus Christus ist der Heiland und Erlöser. Jesus Christus ist der Gottessohn. Jesus Christus ist der Bruder von uns Menschen. Jesus Christus ist unser Freund.
Die Menschen des frühen Mittelalters haben eine Antwort gegeben, auf die wir heute kaum mehr kommen würden: Jesus Christus ist unser König. Und sie haben Christus in den Kirchen des Mittelalters oft so dargestellt in herrlichen Mosaiken: Jesus Christus thronend auf einem königlichen Stuhl in majestätischer Haltung segnet er die Welt und die Glaubenden mit der rechten Hand, mit der linken hält er ein aufgeschlagenes Buch, in dem die Worte zu lesen sind: Ich bin das Licht der Welt und: Ich bin das Alpha und das Omega, das sind ja die Worte, die wir heute in der Lesung gehört haben: Ich bin der Anfang und das Ende.
Der glaubende Mensch des Mittelalters hat Jesus Christus so dargestellt, weil er etwas brauchte, jemanden brauchte, an dem er sich festhalten konnte, in Krieg, in Not, in Krankheit und Seuchen, denen man so oft ohnmächtig ausgeliefert war. Da malte man Christus in die Kirche hinein als König, als Herrscher, weil genau das Orientierung gab, Hoffnung, Hilfe in allem Dunkel, dass der eine da oben stärker ist und größer und den längeren Atem hat, dass wir es mit seiner Hilfe schaffen werden und dass er einmal alles zum Guten vollenden wird.
Auch wenn es jetzt vielleicht drunter und drüber geht sozusagen. Der Mensch des Mittelalters hielt sich an Christus, dem König fest.
Woran dürfen wir uns heute festhalten?
Wir leben erstens in einer Welt, in der alles sich sehr schnell wandelt. Unser Leben ändert sich ständig. Immer neue Informationen, immer schnellere Entwicklungen verlangen, dass wir uns darauf einstellen, und das ist nicht nur in der Technik und Industrie so, sondern das geht bis in unsere privatesten Bereiche hinein. Wieviele Familien ändern sich jedes Jahr? Trennungen, neue Familien werden zusammengewürfelt. Ein Kind, das geboren wird, kann nicht sicher sein, ob es in ein paar Jahren noch bei denselben Eltern ist. Ein Jugendlicher, der einen Beruf erlernt, kann nicht sicher sein, ob er in ein paar Jahren noch in diesem Beruf arbeiten kann. Umschulung, Anpassung, Weiterbildung, wie oft müssen arbeitende Menschen bei uns ihren Beruf, ihre Stelle wechseln. Oft, ohne dass sie es wollen. So viel in unserem Leben ändert sich ständig und sehr schnell.
Zweitens löst die Wissenschaft in ihrer Forschungsbestrebung die Dinge auf. Der Mensch besteht aus Genen heute. Diese Gene wurden, so heißt es, inzwischen so weit erforscht, dass man bald den Menschen steuern kann mit seinen Genen. Man sieht nicht mehr den Menschen als ganzen, sondern aus vielen kleinen Teilen bestehend, in die man eingreifen kann. Wir können nur ahnen, zu welch grauenvollen Unmenschlichkeiten dieses Wissen mißbraucht werden kann. Dass man Menschen zusammensetzen und bestimmen kann, wie sie werden. Dass man Menschen aussortieren kann, weil man vorher schon weiß, welche Krankheiten sie einmal bekommen können. Usw.
Eine Wissenschaft, die nicht mehr das Ganze im Auge hat und die nicht mehr im Hinterkopf die Weisheit trägt, dass ein liebender Gott das ganze zur Liebe geschaffen und zur Liebe und zu seinem Lob bestimmt hat, ist in immer in Gefahr, in die Unmenschlichkeit abzugleiten und zum Schaden des Menschen und der Schöpfung zu werden.
Drittens erkennen wir, wie sehr das Geld die Welt regiert. Auf dem amerikanischen Dollar steht zwar geschrieben: In God we trust, aber eigentlich ist es doch das Geld, (und mehr als alles andere Geld, der Dollar) das die Welt regiert.
Woran können wir uns festhalten? Ich finde das eine wichtige Frage.
Woran kann ich mich festhalten, wenn ich erfahre, dass nichts mehr in meinem Leben sicher ist heute. Woran kann ich mich festhalten, wenn alles sich ändern kann, von heute auf morgen?
Woran kann ich mich festhalten und orientieren, wenn die Wissenschaft solche Fortschritte macht, dass sie alles verändern und auch zerstören kann?
Woran kann ich mich festhalten, wenn ich erfahre, dass das Geld das wichtigste sein soll und uns doch nicht glücklich macht?
Das Christkönigsfest will uns sagen: An Jesus Christus kannst du dich festhalten.
Sein Reich ist zwar nicht von dieser Welt, das heißt, es geht um eine andere, eine geistige Ebene, auf der wir leben und unser Leben gestalten. Aber ist das nicht das Wichtige: Aus welchem Bewusstsein, aus welcher Lebenseinstellung heraus und für welchen Sinn wir leben.
An Jesus Christus kannst du dich auch heute festhalten.
Er gibt uns zur Orientierung das Gebot der Gottes-und Nächstenliebe. Und wo der Mensch dagegen verstößt, schadet er sich selbst und zerstört das Leben.
Er gibt uns eine bleibende Wahrheit, die uns sagt, dass wir Menschen vergänglich sind, nur Gott ist ewig, aber er hat etwas in uns hineingelegt, das bleibend ist: Unsere Seele mit der Sehnsucht, immer geliebt zu werden. Darum müssen wir uns um die Seele kümmern und ihre Sehnsucht. Sonst wird unser Leben zum bloßen Konsum und wir fühlen uns doch nur leer und sinnlos.
Er gibt uns Werte, für die es sich zu leben lohnt und die er uns vorgelebt hat: Dasein füreinander und Ebenbild Gottes zu sein und miteinander so umzugehen. Gemeinschaft und Wertschätzung macht unser Leben sinnvoll.
An Jesus Christus darfst du dich festhalten.
Liebe Gemeinde, ich möchte uns wünschen, dass wir gerade in der heutigen Zeit, gerade in Zeiten, wo unser Leben sich schnell ändert, gerade in Augenblicken, wo wir die Orientierung verlieren, wo wir vielleicht auch nicht mehr weiterwissen und weiterkönnen manchmal, erfahren dürfen: An Jesus Christus darf ich mich festhalten. Das ist Christus, der König. In der Bibel leitet sich das Bild des Königs übrigens ab vom Bild des guten Hirten. Der König ist immer der Hirte seines Volkes. Letztlich ist mit König der gemeint, der uns hält, der uns trägt und der uns zum Leben führt. AMEN.